Seit zehn Jahren beschäftige ich mich mit den kleinen Perlen und es ist noch kein Ende abzusehen. Angefangen habe ich mit dem Häkeln, dann kam das Fädeln dazu. Mittlerweile sind auch einige Anleitungen entstanden. Nebenbei habe ich auch die eine oder andere Geschichte zu erzählen, die das Leben so schreibt. Ich wünsche viel Spaß beim Stöbern.
Meine nächsten Kurse an Bord finden vom 24. August bis zum 14. September 2019 auf AIDAcara statt.
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Samstag, 28. April 2012
Werbung in eigener Sache
Wie ich hier schon erwähnt habe, schreibe ich auch ab und an. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten sind nun bei Bookrix zwei Ebooks von mir erschienen.
Im ersten arbeite ich meine Zeit im Immobilienhandel und Baubereich in Spanien auf. Es heißt: "Freu Dich, Du bist in Spanien" und ist hier erhältlich:
http://www.amazon.de/Freu-Dich-bist-Spanien-ebook/
Das zweite beschäftigt sich mit den großen Abenteuern unserer kleinen Katzen. "Kami Katze" bekommt man hier:
http://www.amazon.de/Kami-Katze-Band-Seelensprung-ebook/
Ich hoffe, sie gefallen und würde mich über Rückmeldungen freuen.
Sonntag, 11. Oktober 2009
Die dritte Tasse
In diesen Tagen wird wieder viel über die DDR geschrieben. Hier auch eine kleine Erinnerung von mir an diese Zeit.
Wie ja bekannt ist, habe ich vor 25 Jahren einen Seemann geheiratet. Ob mir damals schon klar war, was auf mich zukommt? Jein. In der Theorie war und ist alles doch etwas anders als in der Praxis, trotzdem möchte ich mit niemandem tauschen.
Der Beruf meines Mannes weckte unter den Nachbarn, Freunden, Arbeitkollegen ja sogar in der eigenen Familie Begehrlichkeiten und auch Neid. Er durfte das Land verlassen und wurde noch dafür bezahlt. Die andere Seite, daß wir Ehefrauen und auch die Kinder unter besonderer Beobachtung standen, haben viele nicht gesehen. Gab es Probleme, sei es in der Schule oder im Beruf, hieß der gute Rat immer: "Dein Mann muß halt seinen Beruf wechseln". Allein an dieser Antwort konnte man ablesen, daß diese Leute keine Ahnung hatten oder haben. Als Seemannsfrau ist man immer "nur" die zweite Liebe, das muß man so akzptieren.
Hilfe und Unterstützung fanden wir in unserem Seemannsfrauenclub, den es in fast jeder größeren Stadt gab. Wir trafen uns zum Reden, organisierten Feiern, Kinderfeste und Ausflüge und waren füreinander da. So war ich auch schon ein wenig darauf vorbereitet, was dann geschah.
Der gesamte Haushalt "weiß" genau, wann der Herr des Hauses wieder auf Reisen ist. Meistens dauert es nur ein paar Tage, bis das erste Gerät entzwei geht. Es bleibt dann auch meist nicht lange alleine. Für solche Fälle haben wir dann unsere "Männer für alle Fälle". Das sind gute Freunde oder auch Familienmitglieder, die man bei Bedarf zu Hilfe ruft.
Hans war also mal wieder abgereist und die Klospülung fing an zu tropfen. Ich mußte also meinen "Mann für alle Fälle", Harry, benachrichtigen. Da wir noch kein Telefon hatten, wir standen aber auf der Dringlichkeitsliste, rief ich ihn auf seiner Arbeit an. Er kam dann am nächsten Abend vorbei, um zu schauen, um welchen Schaden es sich handelte. Da der Dichtungsring besorgt werden mußte, versprach er in zwei Tagen wieder zu kommen, was er auch tat.
Einen Tag nach der erfolgten Reparatur klingelt es an der Wohnungstür. Ich öffne und vor mir steht der ABV. Das war der Abschnittsbevollmächtigte, also ein Polizist, der für einen bestimmten Wohnbereich zuständig war. Er drehte verlegen seine Uniformmütze in den Händen und druckste etwas herum. Da mich meine Seemannsfrauen-Kolleginnen informiert hatten, wußte ich eigentlich schon, was er wollte. Ich bat ihn erstmal herein und bat ihm im Wohnzimmer einen Stuhl an.
Verlegen begann er: "Wir haben da Informationen bekommen und ich soll mich erkundigen, ob es vielleicht Probleme in Ihrer Ehe gibt."
Ja, dazu muß ich nun erklären, daß man bei der Reederei auf der einen Seite immer daran interessiert war, daß die Seeleute eine Familie, also Frau und Kinder hatten, damit sie auch wiederkämen, auf der anderen Seite fürchtete man nichts so sehr wie Eheprobleme und mögliche Scheidungen. Damit ein deprimierter Seemann dann nicht etwa im Nord-Ostsee-Kanal an Land sprang, durften solche Wackelkandidaten nur noch rechts herum fahren also zu den Ostessehäfen in Polen oder der Sowjetunion oder man schickte sie erstmal in Urlaub.
Jemand hatte also Harry gesehen und eine entsprechende Meldung abgegeben. Dafür kanem eigentlich nur noch drei weitere Mietparteien auf unserem Flur in Frage, denn sonst konnte niemand wissen, wohin er gegangen war. Daraufhin hatte also der ABV den Auftrag erhalten, sich der Sache anzunehmen. Da er vorher noch nie mit Seeleuten und ihren Familien zu tun hatte, war es ihm hochgradig peinlich.
Ich kochte uns einen Kaffee, wir redeten ein bißchen über das Leben einer Seemannsfrau, ich zeigte ihm die Klospülung und er zog wieder ab.
Ein gutes Jahr später gab es wieder einen häuslichen Notfall, der sogar drei Besuche von Harry notwendig machte. Ich wartete schon und siehe da, kaum ging Harry das dritte Mal aus der Wohnung, traf er auch schon den ABV. Der bekam dann wieder seine Tasse Kaffee, beguckte sich die Reparatur und ging. Vorher meinte ich noch: "Nun waren Sie auch schon zwei Mal bei mir, nicht daß jemand auf die Idee kommt, daß wir ein Verhältnis haben."
Er antwortete: "Da haben sie recht" und ging.
Von nun an brauchten wir immer drei Tassen Kaffee, weil der ABV nie mehr allein bei mir erschien sondern immer einen Kollegen als Anstandswauwau mitbrachte.
Das ist eine der Kurzgeschichten von Anna Bird, andere sind in verschiedenen Anthologien bei Visionart leider bisher nur als E-Book erschienen sind. http://www.visionsart.de/
Wie ja bekannt ist, habe ich vor 25 Jahren einen Seemann geheiratet. Ob mir damals schon klar war, was auf mich zukommt? Jein. In der Theorie war und ist alles doch etwas anders als in der Praxis, trotzdem möchte ich mit niemandem tauschen.
Der Beruf meines Mannes weckte unter den Nachbarn, Freunden, Arbeitkollegen ja sogar in der eigenen Familie Begehrlichkeiten und auch Neid. Er durfte das Land verlassen und wurde noch dafür bezahlt. Die andere Seite, daß wir Ehefrauen und auch die Kinder unter besonderer Beobachtung standen, haben viele nicht gesehen. Gab es Probleme, sei es in der Schule oder im Beruf, hieß der gute Rat immer: "Dein Mann muß halt seinen Beruf wechseln". Allein an dieser Antwort konnte man ablesen, daß diese Leute keine Ahnung hatten oder haben. Als Seemannsfrau ist man immer "nur" die zweite Liebe, das muß man so akzptieren.
Hilfe und Unterstützung fanden wir in unserem Seemannsfrauenclub, den es in fast jeder größeren Stadt gab. Wir trafen uns zum Reden, organisierten Feiern, Kinderfeste und Ausflüge und waren füreinander da. So war ich auch schon ein wenig darauf vorbereitet, was dann geschah.
Der gesamte Haushalt "weiß" genau, wann der Herr des Hauses wieder auf Reisen ist. Meistens dauert es nur ein paar Tage, bis das erste Gerät entzwei geht. Es bleibt dann auch meist nicht lange alleine. Für solche Fälle haben wir dann unsere "Männer für alle Fälle". Das sind gute Freunde oder auch Familienmitglieder, die man bei Bedarf zu Hilfe ruft.
Hans war also mal wieder abgereist und die Klospülung fing an zu tropfen. Ich mußte also meinen "Mann für alle Fälle", Harry, benachrichtigen. Da wir noch kein Telefon hatten, wir standen aber auf der Dringlichkeitsliste, rief ich ihn auf seiner Arbeit an. Er kam dann am nächsten Abend vorbei, um zu schauen, um welchen Schaden es sich handelte. Da der Dichtungsring besorgt werden mußte, versprach er in zwei Tagen wieder zu kommen, was er auch tat.
Einen Tag nach der erfolgten Reparatur klingelt es an der Wohnungstür. Ich öffne und vor mir steht der ABV. Das war der Abschnittsbevollmächtigte, also ein Polizist, der für einen bestimmten Wohnbereich zuständig war. Er drehte verlegen seine Uniformmütze in den Händen und druckste etwas herum. Da mich meine Seemannsfrauen-Kolleginnen informiert hatten, wußte ich eigentlich schon, was er wollte. Ich bat ihn erstmal herein und bat ihm im Wohnzimmer einen Stuhl an.
Verlegen begann er: "Wir haben da Informationen bekommen und ich soll mich erkundigen, ob es vielleicht Probleme in Ihrer Ehe gibt."
Ja, dazu muß ich nun erklären, daß man bei der Reederei auf der einen Seite immer daran interessiert war, daß die Seeleute eine Familie, also Frau und Kinder hatten, damit sie auch wiederkämen, auf der anderen Seite fürchtete man nichts so sehr wie Eheprobleme und mögliche Scheidungen. Damit ein deprimierter Seemann dann nicht etwa im Nord-Ostsee-Kanal an Land sprang, durften solche Wackelkandidaten nur noch rechts herum fahren also zu den Ostessehäfen in Polen oder der Sowjetunion oder man schickte sie erstmal in Urlaub.
Jemand hatte also Harry gesehen und eine entsprechende Meldung abgegeben. Dafür kanem eigentlich nur noch drei weitere Mietparteien auf unserem Flur in Frage, denn sonst konnte niemand wissen, wohin er gegangen war. Daraufhin hatte also der ABV den Auftrag erhalten, sich der Sache anzunehmen. Da er vorher noch nie mit Seeleuten und ihren Familien zu tun hatte, war es ihm hochgradig peinlich.
Ich kochte uns einen Kaffee, wir redeten ein bißchen über das Leben einer Seemannsfrau, ich zeigte ihm die Klospülung und er zog wieder ab.
Ein gutes Jahr später gab es wieder einen häuslichen Notfall, der sogar drei Besuche von Harry notwendig machte. Ich wartete schon und siehe da, kaum ging Harry das dritte Mal aus der Wohnung, traf er auch schon den ABV. Der bekam dann wieder seine Tasse Kaffee, beguckte sich die Reparatur und ging. Vorher meinte ich noch: "Nun waren Sie auch schon zwei Mal bei mir, nicht daß jemand auf die Idee kommt, daß wir ein Verhältnis haben."
Er antwortete: "Da haben sie recht" und ging.
Von nun an brauchten wir immer drei Tassen Kaffee, weil der ABV nie mehr allein bei mir erschien sondern immer einen Kollegen als Anstandswauwau mitbrachte.
Das ist eine der Kurzgeschichten von Anna Bird, andere sind in verschiedenen Anthologien bei Visionart leider bisher nur als E-Book erschienen sind. http://www.visionsart.de/
Donnerstag, 1. Oktober 2009
Ein paar Worte
zu den im Titel erwähnten Geschichten.
Wie bekannt ist, leben wir schon einige Jahre in Spanien, in einer Gegend in der sich Leute der verschiedensten Nationalitäten angesiedelt haben. Die Unterschiede untereinander sind klein aber fein und das führt so manches Mal zu Situationen, die zum Schmunzeln oder auch zum Nachdenken anregen. Auch beim Eingewöhnen gab es so manche nette Episode. Ich versuche, diese Anekdoten in Kurzgeschichten festzuhalten. Hier eine kleine Kostprobe:
Seit einigen Jahren arbeite ich in einer kleinen, regionalen Immobilienfirma an der Costa Blanca. Es gibt ein Hauptbüro in der nächsten Stadt und eine Zweigstelle in der Urbanisation „El Sueño“. Wir sitzen direkt auf der Baustelle, na gut, mit den Jahren hat sich die Baustelle etwas von uns wegbewegt, wir haben nicht mehr den direkten Baulärm vor der Tür aber trotzdem sind wir noch dicht dran am Baugeschehen. Mit dem Ohr an der Menge, freiwillig oder nicht, erfährt und erlebt man so manches Geschichtchen. Gedrängt von Bekannten und Verwandten entstand so diese Sammlung.
Van Klaas
Das Telefon klingelt: Spanien Immobilien, womit kann ich Ihnen helfen?
- "Hier ist die Lokalpolizei. Kommen Sie bitte zum Grundstück 96. Wir brauchen Sie hier für eine Identifikation."
-"Was ist passiert?"
-"Kommen Sie her, dann werden Sie sehen."
Ich fahre also zum Grundstück 96. Dort wohnt seit knapp einem Jahr Familie Van Klaas. Beide großgewachsen, kräftig und sehr resolut. Sie sind typische Holländer, das heißt, sie sind sehr direkt in ihrer Art, Frau Van Klaas noch mehr als er.
Dort angekommen, öffnet ein Polizist die Tür. Ein anderer steht vor dem Sofa, auf dem die Eigentümer des Hauses wie Häufchen Unglück sitzen. Der Polizist hat eine dicke Beule an der Stirn und wirkt nicht gerade freundlich. Als ich das Wohnzimmer betrete, versucht Frau Van Klaas aufzustehen, wird aber vom Polizisten daran gehindert.
Ich gucke etwas verständnislos zu seinem Kollegen, den ich von anderen Aktionen her kenne. Er fragt: "Kennst Du diese Personen?"
- "Ja, das sind die Eigentümer. Was ist denn los?"
- "Wir wurden zu einem vermeintlichen Einbruch gerufen und diese Frau hat meinen Kollegen mit einer Bratpfanne angegriffen."
Nun sehe ich die Pfanne auch auf dem Tisch stehen. Frau Van Klaas beginnt zu reden wie ein Wasserfall. Aus der Flut entnehme ich, daß sie einkaufen waren. Beim Betreten des Hauses haben sie vergessen, die Alarmanlage auszuschalten. Als der Alarm losgeht, versucht Herr Van Klaas den Code einzugeben, irrt sich in der Aufregung aber mehrmals. Erst nach fünf oder sechs Anläufen gelingt es ihm, den Lärm abzustellen. Während seiner Fehlversuche ruft die Alarmzentrale bei ihnen an, Frau Van Klaas geht ans Telefon, versteht nicht, was dort gefragt wird, ruft hysterisch etwas in niederländisch und hat natürlich auch das Codewort vergessen.
Die Alarmzentrale hat, da sie einen Einbruch vermutet, die Polizei benachrichtigt. Die Polizisten nähern sich dem Haus, ohne zu klingeln. Frau Van Klaas hat jemanden gehört und postiert sich hinter der Eingangstür mit einer Bratpfanne in der Hand. Als der eine Polizist die Tür öffnet und durch den Spalt guckt, erhält er einen Schlag vor den Kopf.
Die Reaktion der Polizisten folgt auf dem Fuße, beide werden überwältigt und auf das Sofa verfrachtet. Da beide wirklich nicht nach einem Einbrecherpärchen aussehen, fällt dem mir bekannten Polzisten ein, daß es ja noch unser Büro gibt und daß wir vielleicht diese Personen kennen. So kam ich also dazu.
Nachdem das geklärt war, begann Herr Van Klaas, ein typischer Choleriker, sich aufzuregen und mit einer Anzeige gegen die beiden Polizisten zu drohen, da sie widerrechtlich sein Haus betreten hätten. Es kostet mich einige Mühe, ihm zu erklären, daß er mit dem Vertrag über die Alarmanlage auch einem Polizeieinsatz zugestimmt hat, denn was hätte er gesagt, wenn wirklich ein Einbruch passiert wäre. Als der verletzte Polizist mitbekommt, daß sich Herr Van Klaas ereifert, droht er seinerseits mit einer Anzeige wegen tätlichen Angriffs auf einen Polizisten. Nun muß ich also auch noch die Staatsgewalt beruhigen. Ich versuche dem Polizisten zu erklären, daß diese Familie noch unerfahren im Umgang mit Alarmanlagen ist und so verunsichert, wie sie waren, nicht mehr klar denken konnten. Gut, daß das Familie Van Klaas nicht verstanden hat, denn sonst hätten sie mich noch gelyncht. Es geht noch etwas hin und her, wobei ich versuche, bei den Übersetzungen die Schärfe herauszunehmen und so zu einer Einigung zu kommen. Letztendlich verzichten beide Parteien auf eine Anzeige und Frau Van Klaas lädt die beiden Polizisten zu einem Kaffee ein, den sie dann auch annehmen.
Das ist eine der Kurzgeschichten von Anna Bird, die in verschiedenen Anthologien bei Visionart leider bisher nur als E-Book erschienen sind. http://www.visionsart.de/
Wie bekannt ist, leben wir schon einige Jahre in Spanien, in einer Gegend in der sich Leute der verschiedensten Nationalitäten angesiedelt haben. Die Unterschiede untereinander sind klein aber fein und das führt so manches Mal zu Situationen, die zum Schmunzeln oder auch zum Nachdenken anregen. Auch beim Eingewöhnen gab es so manche nette Episode. Ich versuche, diese Anekdoten in Kurzgeschichten festzuhalten. Hier eine kleine Kostprobe:
Seit einigen Jahren arbeite ich in einer kleinen, regionalen Immobilienfirma an der Costa Blanca. Es gibt ein Hauptbüro in der nächsten Stadt und eine Zweigstelle in der Urbanisation „El Sueño“. Wir sitzen direkt auf der Baustelle, na gut, mit den Jahren hat sich die Baustelle etwas von uns wegbewegt, wir haben nicht mehr den direkten Baulärm vor der Tür aber trotzdem sind wir noch dicht dran am Baugeschehen. Mit dem Ohr an der Menge, freiwillig oder nicht, erfährt und erlebt man so manches Geschichtchen. Gedrängt von Bekannten und Verwandten entstand so diese Sammlung.
Van Klaas
Das Telefon klingelt: Spanien Immobilien, womit kann ich Ihnen helfen?
- "Hier ist die Lokalpolizei. Kommen Sie bitte zum Grundstück 96. Wir brauchen Sie hier für eine Identifikation."
-"Was ist passiert?"
-"Kommen Sie her, dann werden Sie sehen."
Ich fahre also zum Grundstück 96. Dort wohnt seit knapp einem Jahr Familie Van Klaas. Beide großgewachsen, kräftig und sehr resolut. Sie sind typische Holländer, das heißt, sie sind sehr direkt in ihrer Art, Frau Van Klaas noch mehr als er.
Dort angekommen, öffnet ein Polizist die Tür. Ein anderer steht vor dem Sofa, auf dem die Eigentümer des Hauses wie Häufchen Unglück sitzen. Der Polizist hat eine dicke Beule an der Stirn und wirkt nicht gerade freundlich. Als ich das Wohnzimmer betrete, versucht Frau Van Klaas aufzustehen, wird aber vom Polizisten daran gehindert.
Ich gucke etwas verständnislos zu seinem Kollegen, den ich von anderen Aktionen her kenne. Er fragt: "Kennst Du diese Personen?"
- "Ja, das sind die Eigentümer. Was ist denn los?"
- "Wir wurden zu einem vermeintlichen Einbruch gerufen und diese Frau hat meinen Kollegen mit einer Bratpfanne angegriffen."
Nun sehe ich die Pfanne auch auf dem Tisch stehen. Frau Van Klaas beginnt zu reden wie ein Wasserfall. Aus der Flut entnehme ich, daß sie einkaufen waren. Beim Betreten des Hauses haben sie vergessen, die Alarmanlage auszuschalten. Als der Alarm losgeht, versucht Herr Van Klaas den Code einzugeben, irrt sich in der Aufregung aber mehrmals. Erst nach fünf oder sechs Anläufen gelingt es ihm, den Lärm abzustellen. Während seiner Fehlversuche ruft die Alarmzentrale bei ihnen an, Frau Van Klaas geht ans Telefon, versteht nicht, was dort gefragt wird, ruft hysterisch etwas in niederländisch und hat natürlich auch das Codewort vergessen.
Die Alarmzentrale hat, da sie einen Einbruch vermutet, die Polizei benachrichtigt. Die Polizisten nähern sich dem Haus, ohne zu klingeln. Frau Van Klaas hat jemanden gehört und postiert sich hinter der Eingangstür mit einer Bratpfanne in der Hand. Als der eine Polizist die Tür öffnet und durch den Spalt guckt, erhält er einen Schlag vor den Kopf.
Die Reaktion der Polizisten folgt auf dem Fuße, beide werden überwältigt und auf das Sofa verfrachtet. Da beide wirklich nicht nach einem Einbrecherpärchen aussehen, fällt dem mir bekannten Polzisten ein, daß es ja noch unser Büro gibt und daß wir vielleicht diese Personen kennen. So kam ich also dazu.
Nachdem das geklärt war, begann Herr Van Klaas, ein typischer Choleriker, sich aufzuregen und mit einer Anzeige gegen die beiden Polizisten zu drohen, da sie widerrechtlich sein Haus betreten hätten. Es kostet mich einige Mühe, ihm zu erklären, daß er mit dem Vertrag über die Alarmanlage auch einem Polizeieinsatz zugestimmt hat, denn was hätte er gesagt, wenn wirklich ein Einbruch passiert wäre. Als der verletzte Polizist mitbekommt, daß sich Herr Van Klaas ereifert, droht er seinerseits mit einer Anzeige wegen tätlichen Angriffs auf einen Polizisten. Nun muß ich also auch noch die Staatsgewalt beruhigen. Ich versuche dem Polizisten zu erklären, daß diese Familie noch unerfahren im Umgang mit Alarmanlagen ist und so verunsichert, wie sie waren, nicht mehr klar denken konnten. Gut, daß das Familie Van Klaas nicht verstanden hat, denn sonst hätten sie mich noch gelyncht. Es geht noch etwas hin und her, wobei ich versuche, bei den Übersetzungen die Schärfe herauszunehmen und so zu einer Einigung zu kommen. Letztendlich verzichten beide Parteien auf eine Anzeige und Frau Van Klaas lädt die beiden Polizisten zu einem Kaffee ein, den sie dann auch annehmen.
Das ist eine der Kurzgeschichten von Anna Bird, die in verschiedenen Anthologien bei Visionart leider bisher nur als E-Book erschienen sind. http://www.visionsart.de/
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