...oder auch: Gut Ding will Weile haben.
Genau zwei Monate habe ich an diesem Projekt gesessen. Auf den Tag genau. Gut, ich habe nicht immer konsequent an meinem Laminaria gestrickt und es ein paar Wochen auch mal vergessen, aber da ich bis Pfingsten fertig werden wollte (Freizeitstress? Ich??), habe ich mich gegen Ende dann doch ein bisschen gesputet.
Angefangen hat alles Anfang Oktober, als mir die Idee kam, doch auch mal ein Tuch zu stricken. Mit dieser Idee ging ich dann erst einmal fünfeinhalb Monate schwanger, ein solches Projekt will schließlich gut überlegt sein.
Im März begann ich es dann endlich mit dieser muggeligen, schon bekannten Maschenprobe mit optionalen Rundstricknadeln in der Stärke 3,5 und Knit Picks Shimmer in der leckeren Farbe Sherry.

Als ich dann etwa ausgerechnet hatte, wie groß das Tuch etwa werden würde, hab ich losgelegt. Die Anfänge waren übersichtlich und schnell gestrickt und das Tuch nahm schnell Form an.

Im Mittelteil, dem "Blossom Chart", wurde es dann etwas "langweilig". Naja, wirklich langweilig ist Stricken nicht, wenn man kaum etwas nebenbei machen kann, weil man sich so konzentriert, aber das Muster wiederholte sich etwa 30 bis 40 Mal pro Reihe und der Mustersatz ging über 8 Reihen, und den habe ich dann auch noch 12 Mal gestrickt - wirklich abwechslungsreich war es daher nicht. Das war dann auch der Zeitpunkt, an dem ich nicht mehr so konsequent an dem Tuch strickte.

Pfingsten rückte näher und der Ehrgeiz hatte mich wieder. So ging die Fertigstellung dann recht plötzlich.

Lace-Stricken hat Nachteile. Beim Sockenstricken muss man nur noch die Fäden vernähen und fertig, Lace-Sachen müssen noch gespannt werden. Dabei werden sie trotz geringem Gewicht (hier: 129 Gramm) überraschend groß.

Und dann ist Geduld gefragt. Am liebsten hätte ich das Tuch doch sofort wieder vom Boden gerissen und intensiv bekuschelt, aber es musste erst noch trocknen.

Aber dann!

Fertig!

Heureka!
Und jetzt bin ich, glaube ich, ein bisschen Lace-infiziert. So ein klitzekleines Bisschen.
Ich stehe auf Ordnung und Struktur. Ich stehe auf ziemlich viel, was ich nicht habe. So eben zum Beispiel Ordnung und Struktur. Und mich macht das ganz wuschig, wenn ich eine Sache anfange und dann mittendrin eine andere anfangen "muss" (und dann vielleicht noch drölfzigtausend andere so nebenbei). Nicht, weil ich nicht damit umgehen könnte, dass dann hier mehrere angefangene Sachen liegen (was sie ja tun, da reicht schon ein schüchterner Blick nach links, da liegen allein fünf "Projekte" und ich habe noch nicht einmal nach rechts geschaut), sondern vielmehr weil ich befürchte, mich irgendwann komplett zu verzetteln. Und weil ich das Gefühl, etwas fertig bekommen zu haben, total gern mag. Ich scheine Chaos aber auch irgendwie zu brauchen. Und Zeitdruck anscheinend auch.
Nun denn: Im letzten Post hatte ich am Ende von Socken gesprochen, die ich mittendrin ribbeln musste, mehrmals. Und kaum war die erste Socke fertig, wurde mir gewahr, dass ich jetzt, ganz schnell und dringend erst noch ein anderes Paar stricken sollte. Und so habe ich wieder einmal was Neues angefangen, was mir gestern von den 2,5er-Nadeln hüpfte:

(Warum ist es eigentlich so, dass die Sonne scheint, während ich stricke, wenn ich sie dann zum Fotografieren brauche, treibt sie sich woanders rum, und wenn die Fotos im Kasten sind, kommt sie wieder hervor?)
Geburtstagssneaker in Größe 43/44 aus einem Funnies-Lin von dibadu, Farbe "Der Mai ist gekommen", über 68 Maschen mit 52 Gramm Gewicht. Zu Weihnachten geschenkte Socken waren laut Aussagen des Geburtstagskindes zu warm, daher jetzt eine SoWo aus 80 % Schurwolle und 20 % Leinen (Leinen kühlt ja bekanntlich) und dann auch nur bis zum Knöchel hoch. Die Zeiten zu warmer Füße sollten damit vorbei sein. ;)
Das Muster war ein sehr simples: Bündchen stricken, dann eine Reihe rechts, dann die Herzchenferse, dann am Oberfuß nach dem System 10 re, 1 li, dann nach 81 Reihen abschließend die Bandspitze. Dann das Ganze noch einmal, Fäden vernähen und fertig.

Jetzt stricke ich ganz ordentlich das andere Paar fertig, von dem die erste Socke immer noch liegt und ruft "Strick meinen Kollegen, mir ist fad!"
Und dann begebe ich mich auf neues Terrain. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich nicht vielleicht stolpern werde und mich samt meinem Orientierungssinn zu sehr in die Irre begebe, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Der Plan lautet wie folgt:

Man darf gespannt sein!
Willkommen in meinem Blog!
Jetzt hat mich also die Neuzeit. Da ich gerne stricke (naja, dies ist wohl ein klitzeklein wenig untertrieben) und so langsam ein schlechtes Gewissen bekomme, meine Freunde, Familie und sonstigen Bekannten mit E-Mails meiner gestrickten Werke zu bombardieren, greife ich fortan auf dieses Kommunikationsmittel zurück. So bleibt es den vormals Angeschriebenen auch frei, sich die Strickwerke anzuschauen :-)
Gelernt habe ich das Stricken noch von Oma, vor vielen, vielen Jahren. Viele Jahre habe ich mal mehr, mal weniger viel gestrickt, vor etwa einem Jahr (oder etwas mehr?) hat mich dann das Strickvirus komplett befallen - Diagnose: unheilbar. Drei Tage ohne Stricken? Schrecklich!
Und so habe ich in den letzten Wochen und Monaten einiges zusammengestrickt. Meistens Socken, davon leider nur ein Paar für mich (hier noch ein paar Details, weil ich sie so sehr liebe) und einige andere Sachen wie Babypullis und -ensembles, Mützen und natürlich Socken, Socken, Socken, Socken für den Freundeskreis. Eine Mütze und ein Schal sind auch noch für mich abgefallen, das meiste ging jedoch an andere. So langsam reift der Wunsch, zur Abwechslung etwas gestricktes selbst zu behalten. :-)
Dies wird jedoch noch etwas dauern. Momentan bin ich grad in Weihnachtsgeschenke verstrickt. Es wird eng (zeitlich, hoffentlich nicht größentechnisch betreffend die Stricksachen), aber es wird. Dazu jedoch an anderer Stelle mehr.
Ich möchte dieses Blog gern nutzen, stolz von meinen Projekten und niedergeschlagen von meinen Fehlversuchen zu berichten (wobei ich hoffe, dass ersteres häufiger passiert als letzteres). Und gern würde ich mich auch mit anderen, die vom Stricken ebenso begeistert sind, austauschen.
Soviel für heute. Danke fürs Lesen ;-)
Liebe Grüße,
Mascha